Anerkannter Fachbetrieb für Planung, Ausführung und Pflege von Gartenanlagen.

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Brünjeshof Worpswede - Betrachtung

Carl Emil Uphoff hat mit dem Brünjeshof einen Garten geschaffen, der Nutzung und Schönheit miteinander verbindet. Der Garten dient als Nutzgarten für die Familie, als Rahmen für die Ausstellung von Skulpturen und als repräsentativer Ziergarten.

Es stellt sich die Frage, warum dieser Garten mitwachsen konnte und warum die sich ändernden Nutzungen in diesen Garten integrierbar sind und waren. Woran liegt es, dass gerade dieser Garten als einziger Künstlergarten in Worpswede überdauern konnte? Warum konnte dieser Garten "brauchbar" altern?

Die Antwort besteht darin, dass der Garten von Carl Emil Uphoff eine starke Struktur aufweist, die seinen Charakter, seine Substanz ausmacht. Bäume und Hecken teilen den Garten in seine Räume ein. Die Anordnung der Mauern, Wege, Zäune, Bäume und Hecken des Gartens ist nicht speziell auf die den Gartenräumen zugeordnete Nutzung erfolgt, sondern dient der Markierung von Grenzen und Zugängen. Diese Dinge bleiben auch bei unterschiedlicher Nutzung der Umgebung gleich.

Innerhalb dieser Struktur ist der Garten nicht gleich geblieben, konnte verändert werden, den geänderten Nutzungsansprüchen angepasst werden, ohne dass der Garten dabei seinen ursprünglichen Charakter verloren hätte. Die Struktur stand diesen Gebrauchsveränderungen nicht im Wege, sondern hat ihnen einen Rahmen gegeben.

Die Nutzungsänderungen im Rahmen des Gartens zeigen sich in seiner Geschichte: Die von der Spiralenhecke umgebene Wiese war ehemals der Rosengarten, in den Nischen der wellenlinienförmig gepflanzten Hecke standen Skulpturen von Carl Emil Uphoff. Auch in anderen Gartenteilen standen mehr Skulpturen des Künstlers als heute. Unter der Apfelbaumallee im hinteren Teil des Gartens wuchsen zeitweise Kohlköpfe, später war hier eine Wiese, heute ein Staudenquartier.

Die Nutzungsänderungen zeigen sich aber auch im heutigen Gebrauch: der Betriebshof und die Staudengärtnerei konnte ohne große Veränderungen in die Struktur des Gartens integriert werden.

Der Garten ist eingeteilt und geplant im Hinblick auf bestimmten oder naheliegenden Gebrauch und Nutzen, bietet aber in diesem Gerüst trotzdem Platz für andere Möglichkeiten. Dabei entstand eine allgemein übliche Auswahl von Hof- und Gartenteilen: der Vorhof und Vorgarten, der Gras- und Obstgarten, der Küchen- und Ziergarten.

Dass Carl Emil Uphoff bei seiner Gestaltung auf Prinzipien seiner Zeit zurückgriff, belegt ein 1925 in der Zeitschrift "Die Gartenkunst" (Böse-Vetter 1991, Arbeitsgemeinschaft Freiraum und Vegetation, Kassel) erschienener Artikel von Wilhelm Hübotter. Er beschreibt hier verschiedene Entwürfe für ein kleineres Grundstück mit vergleichbaren Proportionen. Diese 5 Entwürfe von 5 Gartenarchitekten, unter anderem Otto Valentin, zeigen alle eine Aufteilung in ähnlicher Abfolge von Gartenteilen und ähnlichen Elementen, wie Rasenplatz mit Obstbäumen, einen Rosen- und Küchengarten.

Brünjeshof Worpswede - GrundrissBrünjeshof Worpswede - Grundriss

Die Elemente scheinen sich auch als Organisationsprinzip des Gartens zu bewähren. Durch die grobe Strukturierung des Gartens ist der Gartengebrauch einzelner Gartenräume veränderbar, ohne den Garten verändern zu müssen. Die einzelnen Gartenräume sind längerfristig leichter dem zeit- und teilweise wechselnden Bedarf und den Vorlieben anzupassen. Dieses ist möglich, da seine Gestaltung nicht eine ganz bestimmte Nutzung vorsieht oder ganz bestimmtes, unveränderbares Bild anstrebt.

Bei jedem Gartenraum steht ein Element im Vordergrund, das diesen Bereich charakterisiert, zum Beispiel im Obstgarten die Obstbäume und im Rosengarten die Rosen, Stauden und Blumen. Das heißt aber nicht, dass in anderen Gartenteilen auf diese Elemente verzichtet worden wäre und auch nicht, dass dieses Element in dem Gartenteil immer im Vordergrund bleiben muss.

Aus dem Rosengarten z.B. ist eine Wiese geworden, er hätte sich aber genauso zum Gemüsegarten entwickeln können. Die Gartenteile, jeder in seiner Größe mit einem Hausgarten zu vergleichen, sind als eigenständige, vollständige Gärten hergestellt, die dabei wiederum für sich organisierbar bleiben (vgl. Böse-Vetter 1991)

Der Garten steht unter Garten- Denkmalpflege, aber Philipp Uphoff, Meister des Garten- und Landschaftsbaus, wird weitestgehend freie Hand gelassen, den Garten im Sinne seines Großvaters zu erhalten. Das heißt für ihn, die Grundstruktur und den Charakter zu bewahren, das heißt aber auch, Veränderungen zuzulassen und auch selbst vorzunehmen.

In der Bepflanzung z.B. wurden die bruchgefährdeten Blaufichten und -tannen gegen bläuliche Scheinzypressen ausgetauscht, die einen ähnlichen Charakter und eine ähnlicher Farbe haben, aber standfester sind. Für die zu erneuernde Fichtenhecke ist aus farblichen und gestalterischen Gründen keine Alternative zu finden, und hier werden wohl wieder Fichten verwendet werden, auch wenn diese als Heckenpflanzen eigentlich ungeeignet sind.

Der Brünjeshof zeigt, dass sich ein Garten im Laufe der Zeit durch das Wachstum der Pflanzen und mit den sich ändernden Nutzungsansprüchen seiner Besitzer entwickelt. Ein Garten ist also durch den Gebrauch definiert. Zudem ist der Brünjeshof ein Beispiel dafür, dass ein Garten mit einer starken Struktur die Nutzungsänderungen aufnehmen kann, ohne seinen Charakter zu verlieren. Der Brünjeshof und sein Garten sind durch den Einsatz der Familie Uphoff erhalten geblieben, die Freude am Garten und eine persönliche Bindung zu ihm hat, ihn nutzt und viel Arbeit investiert.

aus: Diplomarbeit "Künstlergärten in Norddeutschland" von Susanne Matthießen, 2000

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